Leben in zukunftsfähigen Dörfern

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  • Beitrags-Kategorie:Schlaue Dörfer
  • Lesedauer:4 min Lesezeit

Die Studie von Dr. Stella Veciana, Helene Urbain und Dr. Anne-Kathrin Schwab untersucht die Chancen und Probleme einer nachhaltigen Dorfentwicklung und ihrer Change Agents anhand des vom deutschen Ökodorfnetzwerk durchgeführten Pilotprojektes „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“. Hier wurden in fünf Kooperationen zwischen jeweils einem Ökodorf und einem konventionellen Dorf partizipative Methoden für eine zukunftsfähige Dorfgestaltung erprobt und in lokalen Initiativen umgesetzt. Die Projektstudie – mit relevanten Ergebnissen für Akteure aus Gesellschaft, Wissenschaft und Politik – analysiert zentrale Faktoren der Förderung gelingender Transformationsdynamiken und wirkmächtiger Change Agents, identifiziert weiteren Forschungsbedarf und gibt Empfehlungen für Folgeprojekte.
Hier ein kleiner Ausschnitt der Kernaspekte und Empfehlungen der Studie:

Kernaspekte einer nachhaltigen Dorfentwicklung stehen im Zusammenhang mit
► der Ausgangslage des Dorfes und dem sich daraus ergebenden partizipativen Prozessverlauf in der Dorfkooperation,
► der zentralen Rolle der Akteurinnen des Wandels und möglichen Faktoren des Gelingens für die Arbeit von Dorfbegleiterinnen und Dorfaktiven,
► der Übertragbarkeit des ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatzes und der Wirksamkeit der angewandten Instrumente bzw. Methoden der Ökodörfer sowie der aus den Studienergebnissen abgeleiteten Kluft zwischen den lokalen Ansprüchen an Zukunftsfähigkeit und den globalen Zielen nachhaltiger Entwicklung.
[…]

Empfehlungen

Die Studie formuliert aus den gewonnenen Studienergebnissen Empfehlungen in der Form von selbst-evaluierbaren Fragestellungen für zukünftige nachhaltige Dorfentwicklungsprojekte. Die Fragen adressieren die Ausgangslage, die anzuwendenden Instrumente und Methoden, die Zukunftsfähigkeit, das Projektdesign und den Projektverlauf. Im Folgenden sind zu jedem dieser
Aspekte beispielhaft zwei relevante Fragen aufgeführt.

► Ausgangslage prüfen: Sind die Dorfbewohnerinnen und Vertreterinnen wichtiger Dorfinstitutionen, wie Gemeinderat, Kirche, Vereine, usw. und ihre Entscheidungsträger im Projekt eingebunden? Wurde die Legitimitätsfrage der aktiven Dorfgestaltung durch die Dorfbewohnerinnen und die Dorfbegleitung mit dem Ortschaftsrat, der Gemeinde und anderen wichtigen Dorfinstitutionen geklärt?

Instrumente und Methoden anpassen: Gibt es Möglichkeiten, die Instrumente durch Dorfbegleiterinnen und Dorfaktive gemeinsam anzupassen bzw. weiterzuentwickeln? Inwiefern ist vor der Durchführung der Bestandsaufnahme eine ausreichende Phase des Kennenlernens verstrichen, in der gegenseitiges Vertrauen wachsen konnte?

► Thema Zukunftsfähigkeit in den Dorf-Fokus bringen: Sind Veranstaltungen oder Aktionen geplant, die einen überregionalen Austausch zwischen innovativen Gemeinden und gewachsenen Dörfern ermöglichen und langfristige Beziehungen begünstigen? Welche Vorkenntnisse und Meinungen gibt es bezüglich eines globalen und ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatzes bzw. SDGs? Wurde das Ambitionsniveau hinsichtlich der globalen und eigenen Zukunftsfähigkeit im Dorf thematisiert und geklärt?

► Projektverlauf partizipativ gestalten: Wurde die Kommunikationskultur im Dorf erörtert? Was braucht es, um eine offene Kommunikations- und eine lösungsorientierte Konfliktkultur zu fördern? Wie können das Zusammengehörigkeitsgefühl, soziale Beziehungen, gegenseitiges Vertrauen und Zutrauen sowie das Bewusstsein der eigenen Wirkungsmacht in der Dorfgemeinschaft angesprochen und bestärkt werden?

► Prozessorientiertes Projektdesign rahmengebend und flexibel ausrichten: Wie können die für die partizipative Selbstorganisation nötigen Methoden erlernt und das nötige Hintergrundwissen erschlossen werden, sodass die Umsetzung in Prozesse, in denen viele Verantwortliche das Gesamtprojekt tragen, gut gelingen können? Ist der Prozessablauf strukturgebend eingerahmt und dennoch flexibel genug, um Projektziele an das Dorfpotenzial anzupassen, bzw. um Dorfbegleiter*innen Freiraum in der Prozessgestaltung zu geben und auf unvorhersehbare Entwicklungen einzugehen?

Weitere Projektdokumentationen finden sich unter folgender Projekt-Website:
https://www.gen-deutschland.de/projekte/projekt-leben-in-zukunftsfaehigen-doerfern/
sowie ein inspirierender 13-minütiger Film unter dem Link:
https://vimeo.com/292687065.“
[Dr. Stella Veciana, Helene Urbain, Dr. Anne-Kathrin Schwab: „Leben in zukunftsfähigen Dörfern – Projektstudie“, unter https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/leben-in-zukunftsfaehigen-doerfern?fbclid=IwAR0hz70rEY5wHyrI1fR5zo7t74Nu5EosH-8eZnN4ffmpnGmO0fjVsWBnZKs (abgerufen am 25.02.2020)]

Diesen Artikel finden Sie auch auf der Seite von dorfglück.de und den wissenschaftlichen Text finden Sie hier: umweltbundesamt.de – Leben in zukunftsfähigen Dörfern.